Losungen

Donnerstag, 09. September 2010
Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hoch gelobt sei Gott!
Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.

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Geistliches Wort im Monat Februar
Pastor MartensDas geistliche Wort für den Monat Februar von Pfarrer Dr. Gottfried Martens:
Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande. (5. Mose 15,11 - Monatsspruch für Februar 2010)

"Imagine"- so lautet der Titel eines der bekanntesten Songs von John Lennon. "Stell dir vor, es gibt keinen Himmel, keine Religion, keinen Besitz, keinen Grund für Gier oder Hunger. Stell dir vor, alle Menschen sind Brüder und teilen sich die Welt." - So träumt John Lennon in diesem Lied vor sich dahin. Ach, wäre das schön, wenn wir in einer klassenlosen Gesellschaft leben würden, in der alle Menschen haben, was sie brauchen, in der alle Menschen bereit sind, mit den anderen zu teilen und friedlich mit allen zu leben!

Der Traum ist wunderbar - aber er bleibt ein Traum, weil die Menschen eben nicht so sind, wie John Lennon sich dies erträumt. Und darum sind in der Geschichte eben auch alle Versuche gescheitert, diesen Traum in die Realität umzusetzen. Im Gegenteil: Wo man dies versucht hat, wurde aus dem Traum in der Wirklichkeit für die Menschen immer wieder ein Alptraum von Gewalt und Unterdrückung.

Die Heilige Schrift träumt nicht, sondern sieht die Dinge, sieht vor allem auch den Menschen viel realistischer: „Es werden allezeit Arme sein im Lande“, so lässt Gott durch Mose seinem Volk ausrichten. Solange es Menschen gibt, werden sie immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein, wird es immer Konkurrenz geben mit Siegern und Verlierern, mit Reichen und Armen, mit Mächtigen und Machtlosen. Das ist nicht gut; aber es ist so, weil „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf“ (1. Mose 8,21), wie Gott bereits nach der Sintflut feststellt. Und darum sind nicht Träume die richtige Reaktion auf die Armut in unserer Welt, ja auch in unserem Land, sondern ganz nüchterne Hilfe ist angesagt für die, die Hilfe nötig haben.

Wie gesagt: Die Heilige Schrift träumt nicht von einer klassenlosen Gesellschaft. Aber sie vertritt auch nicht die These, dass jeder Mensch selber an seinem Schicksal schuld ist, dass jeder Mensch seines Glückes Schmied ist: Wer arm ist, hat eben Pech gehabt, hat sich nicht genügend angestrengt oder ist vielleicht gar von Gott gestraft. Solche Auffassungen werden ja, Gott sei‘s geklagt, selbst in frommen Kreisen mitunter vertreten. Die Heilige Schrift - und damit Gott selbst - fordert vielmehr diejenigen, die genügend in ihrer Hand haben, dazu auf, denen abzugeben, die nichts haben, die bedrängt und arm sind. Nein, Gott macht hier keinen Unterschied zwischen verschuldeter und unverschuldeter Armut; er lässt sich nicht auf Diskussionen darüber ein, dass diejenigen, die arm sind, sich doch selber aus ihrer Armut herausarbeiten könnten oder gar in ihrer angeblichen Faulheit bestärkt werden, wenn man ihnen auch noch hilft. Nein, ganz schlicht und einfach argumentiert Gott: Es wird immer Arme geben; darum sollen die, die mehr haben, diesen Armen von dem abgeben, was sie besitzen.

Ein ganzes Stück weit hat diese Weisung aus dem 5. Buch Mose ihren Niederschlag gefunden auch in der Gesetzgebung unseres Landes: Von den Steuern, die wir zahlen, wird ein großer Teil dafür verwendet, diejenigen finanziell zu unterstützen, die auf solche Hilfe angewiesen sind. Es täte uns von daher gut, die Zahlung von Steuern nicht bloß als Eingriff des Staates in unsere persönliche Freiheit immer negativ zu werten, sondern vielmehr als positiven Beitrag, den wir im Sinne der biblischen Weisung für die Armen leisten, die es auch in unserem Land, ja gerade auch in unserer Stadt gibt -  von der Armut in der Welt insgesamt einmal ganz zu schweigen.
John Lennon glaubt allen Ernstes, dass in einer Welt, in der es keine Religion, keine Hoffnung auf den Himmel gäbe, die Menschen gerechter miteinander umgehen würden. Der Monatsspruch für den Februar stellt genau dies in Frage und macht deutlich: Gerade da, wo Menschen um ihre Verantwortung vor Gott wissen und seinen Weisungen folgen, tun sie, was Gott von ihnen erwartet, und geben ab von dem, was sie besitzen. Ja, dazu braucht man ein Herz, das von Gott selber verwandelt und erneuert worden ist. Wer weiß, wie reich er von Gott beschenkt ist, der wird seine Hand eher öffnen als derjenige, der seinen Wert durch das bestimmt, was er selber leistet und besitzt. Ja, ein Glück, dass wir nicht in einer Welt ohne Gott und ohne die Hoffnung auf den Himmel leben. Denn eine solche Welt wäre in Wirklichkeit die Hölle - gerade auch für die Armen!