Geistliches Wort für August / September 2026
Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste
voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Kohelet 4,6
Liebe Gemeindeglieder und Freunde der St. Mariengemeinde!
Mir erzählte ein Pastor, der damals vor Kurzem in den Ruhestand getreten war, ihn habe ein anderer Ruheständler gefragt, wie er denn jetzt als solcher mit seiner Bedeutungslosigkeit klarkäme. Die Antwort wird ihn nicht beruhigt haben, denn der Befragte erklärte, lediglich treu und nach bestem Wissen und Gewissen seinen Dienst getan zu haben. Was meine er denn mit „Bedeutungslosigkeit“?
Ich muss an das Schriftwort zu meiner Ordination denken: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ (2. Kor. 12,9)
Was ist während meiner über 42 Dienstjahre in der Kirche schon alles an Konzepten und Ideen durchgezogen worden, voller Elan und unter Einsatz gewaltiger Kraftanstrengungen – manchmal auch ohne Rücksicht auf Verluste! So mancher Macher sah sich schon auf der Siegesstraße beim Bau von Kirche und Gemeinde. Schon damals: Wie viel an Aufmerksamkeit wurde so auf sich gezogen!
Aber nach einiger Zeit wurde es oft eher leise bis sehr still. Gemeinden wurden geschlossen oder zusammengelegt. Andere dagegen legten keine großen Programme auf, sondern stellten sich dem, was kam, feierten ihre Gottesdienste treu mit Wort und Sakrament, blieben beieinander, nahmen auf, wer kam, und lebten miteinander ihren Glauben.
Wie heißt es schon beim Prediger Salomo im Alten Testament (Kohelet 4,6): „Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Monatsspruch September 2026)
Nicht, dass wir uns davon entlassen fühlen dürften, uns Gedanken zu machen, wie wir Menschen mit dem Evangelium erreichen könnten! Aber damit es nicht zur Qual wird oder wir in Aktionismus verfallen: Lassen wir uns daran erinnern, dass es Gott selber ist, der seine Kirche baut, auch wenn er uns an der einen oder anderen Stelle mit einbezieht. Wir können nichts erzwingen, weder mit äußerstem Einsatz noch mit irgendwelchen Programmen oder Aktionen.
Was sagte man schon anfangs, nach kurzer Zeit über die Christen: „Seht, wie haben sie einander so lieb!“ Miteinander und mit den Menschen um uns herum Gottes Liebe ganz selbstverständlich zu teilen, scheint mir von daher die einladendste und nachhaltigste Weise zu sein, Mission zu leben, ja Gemeinde zu leben.
So habe ich es jedenfalls immer schon aus der Bibel verstanden und auch in den Gemeinden erlebt, die ich kennengelernt habe. Eigentlich nicht überraschend, da sich Gott selbst als jemand beschreibt, dem es vor allem um Gemeinschaft, Zuwendung und gegenseitigen Respekt geht. Wie nannte er im Alten Testament noch seinen Namen: Barmherzig, gnädig, geduldig, treu, gütig!
Dass er uns ohne jeglichen Anlass so sehr zugewandt ist und für uns sorgt, daran dürfen wir festhalten und darauf vertrauen, dass er so für uns da ist. Und darum geht es auch, wenn wir im Anschluss an die jetzige Urlaubszeit unsere Erntedankfeste feiern. Gebe uns Gott die nötige Gelassenheit bei allem Tun und Planen in den Gemeinden, und helfe er uns, ihm zuzutrauen, dass er seine Kirchen bauen und erhalten wird, und uns ihm fröhlich anzuschließen, dabei mitzuhelfen.
Allen eine gesegnete und fröhliche Sommer- und Urlaubszeit mit herzlichen Grüßen,
Ihr/Euer Christoph Schulze (nun aus dem Ruhestand) und gemeinsam mit Pastor Büttner
