Geistliches Wort für Oktober / November 2026


Buettner gruen 500pxZur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch
nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Galater 5,1

Freiheit ist ein gewaltiges Wort! Es beschreibt den Zustand, ungebunden, ohne Zwang und ohne Einschränkungen sein Leben zu gestalten, so die heutige Definition. Das, was Freiheit bedeutet, wird erst dann in letzter Konsequenz deutlich, wenn sie einem genommen wird. Freiheit – davon weiß auch der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater zu schreiben. Diese Freiheit ist eine personengebundene, die es allein durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt gibt. Es ist eine Freiheit, die nur in der Beziehung zu Jesus Christus gilt und in ihr erfahrbar ist. Diese freiheitliche Beziehung zu Jesus Christus ist der vertrauensvolle Glaube. Diese Freiheit, die Jesus Christus allein denen, die an ihn glauben, schenkt, musste durch ihn hart am Kreuz erkämpft werden, damit die versklavten Menschen in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes geführt werden.

Wer befreit ist, war jedoch zuvor unfrei. Er braucht die Freiheit von Unterdrückung, Bevormundung und Versklavung. Die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, hat verschiedene Facetten und unterschiedliche Aspekte: Jesus Christus befreit von den Unheilsmächten Sünde, Tod und Teufel. Unter ihrem Diktat steht der Mensch. Versklavt ist er unter die Macht der Sünde. Bevormundet ist der Sünder durch den Teufel, der ihm einflüstert, sein zu können wie Gott. Unterdrückt wird der Mensch durch die Endlichkeit des zeitlichen Todes und unterliegt der Gefahr des ewigen Todes. Um diesen Mächten Einhalt zu gebieten und dem Chaos zu wehren, offenbart Gott das Gesetz durch Mose und gibt die heiligen Gebote. Doch seine Gebote erweisen sich für den Menschen als nicht zu halten. Denn nur, wer das Gesetz Gottes uneingeschränkt in Gedanken, Worten und Werken hält, wird leben. Anderweitig wird das Gesetz ihn verklagen, ihn als Sünder überführen, ihm den Spiegel vorhalten, wer er vor Gott, seinem Nächsten und sich selbst ist. Bis ins letzte i-Tüpfelchen hinein ist das Gesetz vollumfänglich von dem zu befolgen, der unter dem Gesetz steht. Das Gesetz sagt uns dabei nicht nur, dass wir Fehler machen. Es deckt unsere Sünde auf. Es zeigt uns, dass wir Gottes Willen nicht nur manchmal, sondern immer wieder verfehlen – in unseren Gedanken, Worten und Werken. Wir können uns vor Gott nicht selbst rechtfertigen. Weder unsere guten Werke noch unsere Frömmigkeit, unsere kirchliche Zugehörigkeit oder unsere eigene Leistung können uns vor Gott gerecht machen. Gerade darin liegt der Ernst des Gesetzes: Es führt uns vor Augen, dass wir Christus brauchen. Damit ist aber nicht gesagt, dass das Gesetz schlecht wäre. Im Gegenteil: Das Gesetz ist gut und heilig; denn es kommt von Gott. Es zeigt uns, wie Gott unser Leben gedacht hat, und es hält uns zugleich den Spiegel vor, wer wir vor ihm sind. Das Gesetz kann uns aber nicht erlösen. Es kann die Sünde aufdecken, aber nicht wegnehmen. Es kann fordern, aber nicht die Gerechtigkeit schenken, die wir vor Gott brauchen.

In den christlichen Gemeinden gab es Juden- und Heidenchristen. Bei den Galatern forderten einige, dass auch die Heidenchristen sich beschneiden lassen und damit das jüdische Gesetz übernehmen müssten. Dagegen wendet sich Paulus entschieden: „Lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ Denn wer sich unter das Gesetz begibt, ist verpflichtet, das ganze Gesetz zu halten. Alles liegt allein darauf, dass der Mensch versuchen muss, aus eigener Kraft das Gesetz zu halten. Das Gesetz verpflichtet zu unbedingter Einhaltung.

Für Paulus ist das Gesetz mit seinen Vorschriften und Verpflichtungen ein schweres Joch. Es führt den Menschen in die Unfreiheit. Damit wir uns recht verstehen: Das Gesetz ist gut und heilig; denn es kommt von Gott und ist nicht außer Kraft gesetzt. Vielmehr hat Jesus Christus das Gesetz für uns erfüllt. Er ist nicht gekommen, es aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wer sich aber durch die Beschneidung unter das Gesetz begibt, muss es auch in allen Stücken halten. Darum mahnt Paulus: Lasst euch nicht verführen und euch nicht wieder unter das Gesetz bringen. Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Denn hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium: Das Gesetz fordert, was wir Gott schuldig sind; das Evangelium schenkt, was wir selbst niemals leisten können. Das Gesetz zeigt unsere Schuld; das Evangelium weist uns auf Jesus Christus, der unsere Schuld getragen hat.

Am diesjährigen Reformationsfest lassen wir uns auch daran erinnern, dass Martin Luther vor 500 Jahren seine zweite große Messreform durchgeführt hat: die Deutsche Messe! Fortan war es möglich, dass die Gemeinde jedes Wort in Liturgie und Predigt verstehen kann. Gleichwohl war es nicht Luthers Absicht, die lateinische Sprache vollständig aus dem Gottesdienst zu verbannen. Schon um der Jugend willen sollte die lateinische Sprache im Gottesdienst weiter gepflegt werden. So ist Martin Luther ein Vorreiter dafür, dass wir in der Landessprache Gottesdienste feiern können. Dennoch feiern wir nicht die Person Martin Luther, sondern wir feiern zum Reformationsfest die Freiheit, zu der Jesus Christus befreit. Ein Christ ist darum frei, weil er durch die Taufe mit Jesus Christus verbunden ist. Freiheit gibt es nur in der Bindung an den, der die Freiheit am Kreuz erkämpft und in seiner Auferstehung die Freiheit bestätigt hat: Gottes Sohn! Der Leistungsgedanke läuft der Gnade allein zuwider; entweder Gnade oder Leistung. Wer durch das Gesetz beziehungsweise durch fromme Leistungen Gott gefallen möchte, der verleugnet Christus. Denn er setzt sein Vertrauen nicht mehr allein in Jesus Christus. Vielmehr setzt er sein Vertrauen, seinen Glauben in sich selbst und seine Leistung.

Das wiederum ist ein recht moderner Gedanke: Glaube an sich, seine Fähigkeiten, seine Leistungen. In Coaching-Seminaren ist davon zu hören. Aber der Glaube an sich und seine Leistung führt letztlich in die Verzweiflung. Was ist, wenn die Leistung nicht erbracht wird? Was, wenn der Glaube an sich schwindet? Zurück bleiben ausgebrannte Menschen und verzweifelte Christen. Darum richten wir den Glauben, außerhalb von uns, an den Dreieinigen Gott. Nicht ich selbst bin der Grund meiner Hoffnung. Nicht meine Leistung, nicht meine Frömmigkeit und auch nicht die Stärke meines eigenen Glaubens tragen mich. Christus trägt mich. Das ist die Freiheit des Evangeliums. Darum ist die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben, allein um Christi willen nicht irgendeine dogmatische Lehre, sondern sie führt ins Zentrum, weil sie zu Jesus Christus führt, der allein Freiheit gibt, die diesen Namen auch verdient. Jesus Christus lässt sich binden, damit derjenige, der an ihn glaubt, ungebunden ist. Er lässt sich mit einer Dornenkrone krönen, damit du die Krone des ewigen Lebens empfängst. Er zahlt für dich die Schuld, damit du schuldenfrei vor Gott bist. Er stirbt am Kreuz den bitteren Tod, damit du in Ewigkeit lebst. Diese Gnade ist dir in deiner Taufe geschenkt worden. Sie wird dir wirkmächtig in der Beichte unter Handauflegung zugesprochen, und wird im Heiligen Altarsakrament durch Christi Leib und Blut empfangen. Wer wissen möchte, wo sich denn die Rechtfertigung des Sünders erlebbar zeigt: Der schaue auf die Sakramente und ganz konkret in die Beichte. Das ist hörbare Rechtfertigung. Das ist erlebte Gerechtigkeit, die Gott uns allein um Christi willen schenkt. Gott lässt Gnade vor Recht walten. Von Rechts wegen gehören wir schuldig gesprochen, weil wir das Gesetz nicht halten. Aber Gott lässt allein um Christi willen Gnade walten. Entscheidend ist der Glaube an Jesus Christus. Denn in ihm allein ist Freiheit.

Herzliche Grüße Ihr / Euer Pastor Markus Büttner