Geistliches Wort für August/September 2017


Buettner MarkusGottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag
und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.
Apostelgeschichte 26,22


„„Zeugen gesucht!“ So oder ähnlich formulieren Ermittlungsbehörden, wenn sie gerichtsverwertbare Zeugen suchen, die für einen sich anschließenden Prozess Wichtiges gehört, gelesen, gesehen haben – heute, wie damals. Paulus steht vor Gericht. Nicht als Zeuge, sondern als Angeklagter. Sein Vergehen: Erregung öffentlichen Ärgernisses, führendes Mitglied der Sekte der Nazarener, und Entweihung des Tempels in Jerusalem (vgl. Apg. 24,5-6). Der Statthalter Felix verschleppt den Prozess zwei Jahre. Sein Nachfolger Porzius Festus muss sich der Angelegenheit annehmen. Als Neuling in der Provinz will er sich mit der herrschenden Elite gut stellen und belässt nach einem vorläufigen Verhör Paulus in Untersuchungshaft. Doch Paulus verteidigt sich selbst und beruft sich als römischer Bürger schließlich auf den Kaiser. Der von Roms Gnaden herrschende König Agrippa bekommt bei einem Besuch bei Festus Wind von der Angelegenheit. Festus ist der Überzeugung, dass Paulus „nichts getan hatte, dass des Todes würdig war… Etwas Sicheres aber über ihn habe ich nicht.“ (Apg. 25,25-26) Nun soll König Agrippa das Verhör leiten, damit sich vielleicht doch noch eine handfeste und gerichtsverwertbare Aussage aus dem Angeklagten Paulus herausbekommen lässt. Paulus beginnt nun mit seiner Verteidigungsrede, gegen dessen Ende er bekennt und bezeugt: Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. (Monatsspruch für August 2017)

Zunächst ist und bleibt es ein persönliches Bekenntnis des Apostels Paulus. Es ist das Bekenntnis eines Mannes, der unschuldig gefangen ist, der zuvor schon verfolgt und gefoltert wurde. Immer wieder steht er für den Glauben an Jesus Christus ein und ist sein Zeuge, einerlei ob er sich zu Jesus Christus vor dem kleinen Mann von nebenan oder vor den Mächtigen seiner Zeit bekennt. Gottes Hilfe, seine Kraft, sein Mitgehen, hat Paulus in seinem von Leid und Verfolgung geprägten Leben erfahren. Das lässt ihn auch in schweren Stunden zuversichtlich und hoffnungsvoll bleiben. Denn er weiß: Jesus Christus ist der „allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat“, wie er seinem Schüler Timotheus mit auf dem Lebens weg gibt. (1.Timotheus 6,15f) Letztlich ist also die Machtfrage, die Paulus immer wieder in die Bredouille und in eine Notlage nach der anderen bringt. Wenn nämlich tatsächlich der gekreuzigte Jesus Christus auferstanden ist und zu Himmelfahrt die Regierungsgeschäfte über Himmel und Erde übernommen hat, dann gefährdet er als Herr und König eben genau die Mächtigen der Erde mit ihren Ideologien, Vorstellungen, Meinungen. Weil man dieses Jesus nicht mehr habhaft werden kann, muss man eben die, die an ihn glauben, die sich zu ihm bekennen, die seine Botschaft unter das Volk bringen, mundtot machen. Denn die Botschaft vom auferstandenen Jesus Christus hat das Potential, die bestehende Weltordnung des Egoismus, der Macht und Rücksichtslosigkeit aus den Angeln zu heben. Dabei kann der auf der Strecke bleiben, der bisher die Marschrichtung vorgegeben hat. Wer Macht verliert, verliert Einfluss, vielleicht auch Ansehen. Das gilt es zu verhindern.

Nicht nur den Apostel Paulus hat es immer wieder vor die Mächtigen der Erde geführt. Auch nach ihm haben sich unzählige Christen vor den Mächtigen zu verantworten gehabt.  Wenn wir in diesem Jahr das 500-jährige Reformationsjubiläum feiern, dann können wir uns schon jetzt daran erinnern lassen, dass dieser Wittenberger Mönch mit seinen 95 Thesen schärfsten Widerspruch hervorgerufen hat. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 wird auch der Fall „Martin Luther“ verhandelt. Weil sich Luther weigert, wird das Wormser  Edikt verabschiedet und die Reichsacht über ihn verhängt. Wenige Jahre später im Jahr 1530 treten die Bekenner von Augsburg vor Kaiser und Reich. Sie bekennen ihren  Glauben. Diesen Gedenktag feiert die Kirche am 25. Juni. Der Kaiser und die damalige römische Kirche fürchten um Macht und Einfluss. Und doch haben sich die Bekenner von Augsburg nicht vor ihrer Macht einschüchtern lassen.

Auch der weitere Verlauf der Geschichte zeigt, dass Bekenntniskirche und Staat über Kreuz liegen können. Denn für eine  Kirche, die Jesus Christus als Herrn und König bekennt, ist der Gekreuzigte Mitte der Verkündigung und nicht Ideologie der Eliten oder gesellschaftliche Mehrheitsmeinungen. Ein Staat, der Macht über die Gewissen der Menschen erringen will, ist schon ein gescheiterter. Er ist deshalb schon gescheitert, weil einzig der Herr aller Herren und König aller Könige (Voll-) Macht über die Gewissen hat: Jesus Christus! Eine ideologisierte Kirche, die von der Heiligen Schrift abweicht, ihr Bekenntnis bis zur Unkenntlichkeit anpasst und ihren Gläubigen Glaubensätze aufnötigt, die keinen Grund in der Heiligen Schrift haben, ist schon gerichtet. Paulus hat als Bekenner Gottes Hilfe erfahren, wie viele  nach ihm auch. So sind wir als Christen, als Mariengemeinde, als Kirche aufgerufen, als Zeugen Jesu Christi aufzutreten. Ohnmächtig sind wir der Zukunft nicht ausgeliefert, weil  auch wir im Glauben und Bekennen Gottes Hilfe erbitten können. So heißt es in einem alten Pfingstlied von Philipp Spitta (ELKG 108,3-4): Unglaub und Torheit brüsten sich  frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu, und musst uns ganz befreien von aller  Menschenscheu. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

Herzlichen Gruß
Ihr Pfarrer Markus Büttner