Geistliches Wort für Juni / Juli 2018


Säet Buettner gruen 500pxGerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!
Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen,
bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!
Hosea 10,12


Die Spargelernte endet zu St. Johannes am 24. Juni, gleichzeitig werden in jenen Tagen wohl die ersten frischen Erdbeeren auf den Feldern Brandenburgs geerntet werden. Saat und Ernte, Bestellen und Pflegen von Feldern und Beeten gehört seit Jahr und Tag zu den Aufgaben der Landwirte, aber auch der Hobbygärtner im Schrebergarten oder im Kleinformat auf dem Balkon.

Der Monatsspruch führt uns in die landwirtschaftliche Umwelt des Propheten Hosea. Mit Saat und Ernte kennen sich die Zeitgenossen Hoseas aus. Viehzucht und Ackerbau sind ihnen vertraut. Hosea geht es nun nicht um neue Saatzucht, alternative Anbaumethoden, Optimierung der landwirtschaftlichen Erträge im bekannten und herkömmlichen Sinne. Ihm geht es um einen radikalen Wandel in der Beziehung zu Gott. Denn Israel hat Bosheit gepflügt, Frevel geerntet und die Frucht der Lüge gegessen, wie Hosea im Folgenden dem Volk ins Stammbuch schreibt. Warum diese Mahnung? Hosea setzt sich kritisch mit dem Baals-Kult, der kanaanäischen Ackerbaureligion, seiner Zeit auseinander. Er fordert eine Abkehr von der sinnlich-egoistischen Genussfrömmigkeit der Baals-Religion.

Jahrtausende später im Herzen Europas in der Großstadt Berlin des Jahres 2018. Auch wenn es den Baals-Kult in Berlin kaum geben wird, so haben wir es in einer anderen Weise doch mit der von Hosea kritisierten sinnlich-egoistischen Genussfrömmigkeit zu tun. Gott ist ausgezogen und hemmungsloser Genuss, Konsum und Vergnügen sind eingezogen. Die Kulte in unseren Tagen huldigen nicht Baal, sondern dem Körperkult. In diesem Kult gibt es verschiedene Konfessionen. Die einen Glaubenshänger hungern sich fast zu Tode, um in die Kleidergröße XXS zu passen. Die anderen Körperkultanhänger schwitzen in den Mucki-Buden, um ihren Körper zu definieren und scheuen zuweilen nicht vor Pillen oder anderen Helferlein zum Muskelaufbau zurück. Anders positionieren sich die Anhänger der Ess-Kultur mit feinem Essen und einem guten Tropfen Wein. Manche preisen in ihren Menü-Karten die Weinzeremonie an. Neben dem Körper-Kult mit seinen Glaubensanhängern gibt es anderen Kulte mit ihren Jüngern. Der Kultur-Kult – keine Vernissage gilt es zu verpassen! Der Sport-Kult mit seinen Stadienbesuchen. Keine Kosten noch Mühen werden gescheut. Gegenseitig befruchten sich und sind abhängig von einander der Polit- und der Medienkult. Der eine kann nicht ohne den anderen. Und so beatmen und nähren sie sich gegenseitig. Sie folgen immer gleichen Ritualen und Spielregeln. Viele, viele weitere Kulte mit je verschiedenen Anhängern und Jüngern werden gehuldigt, wie Shopping-Kult oder Musik-Kult. Alle diese Kulte können geradezu religiöse Züge annehmen.

Hosea nun mahnt von der sinnlich-egoistischen Genussfrömmigkeit Abstand zu nehmen. Es gilt einen neuen Anfang geschenkt zu bekommen. Gott soll Gerechtigkeit regnen lassen. Gottessucher gilt es zu sein. Hier ist auch die Mahnung an uns: Gott zu suchen, solange es Zeit ist. Noch schenkt Gott Zeit ihn zu suchen. Wie oft drängen sich andere Termine in den Vordergrund, Aufgaben, die anscheinend mit hoher Priorität bearbeitet werden wollen, Kulte, die Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen. Keine Zeit für Gott. Der Glaube verblasst. Das Glaubensprofil der Kirche verflacht. Die moderne Gesellschaft mit dem angeblich aufgeklärten Menschen hat keine Zeit für Gott und seine Welt. In der Geschäftigkeit vergisst er, dass er Gott vergessen hat. Nichts vermisst er. Niemand trauert ihm nach. Das war zurzeit des Propheten Hosea so und ist heute doch nicht anders. Ist es nicht an der Zeit Gott zu suchen?

Dieses alte Wort des Propheten Hosea mahnt auch in den Sommermonaten des Jahres 2018. Einen neuen Anfang braucht es zwischen Gott und Mensch. Der harte Boden auf dem Acker der modernen Kulte, der eingeschlagenen Wege fern von Gottes Welt, der weltlichen Rituale gilt es umzupflügen. Neu urbar muss der Acker des eigenen Lebens wie auch der Gesellschaft gemacht werden. Den Acker seines Lebens zu bestellen und die Gesellschaft umzupflügen, beginnt mit der Suche nach Gott. Finden lassen will er sich in seinem Wort – in der Predigt von Gesetz und Evangelium. Zum Greifen nah ist er, wenn in der Beichte die Sündenvergebung zugesprochen wird. Zum heilvollen Genuss lässt er den Gläubigen unter Brot und Wein seinen wahren Leib und sein wahres Blut im Heiligen Altarsakrament schmecken. In seine ewige Gemeinschaft ruft er alle Menschen durch die Heilige Taufe. Wer Gott dort sucht, findet ihn auch! Denn dort lässt er seine Gerechtigkeit regnen. Es ist die Gerechtigkeit Jesu Christi; seine Gerechtigkeit, die uns umsonst geschenkt wird. Gekostet hat diese Gerechtigkeit Gottes Sohn sein Leben.

Wer an den Gekreuzigten und Auferstandenen glaubt, bekommt diese Gerechtigkeit gratis. Wie ein Regen kommt er über die Glaubenden. Dieser Regen mit der Gerechtigkeit Gottes lässt die Saat der Gerechtigkeit im Leben des Glaubenden aufgehen. Die Gerechtigkeit kommt von Gott durch Jesus Christus. Sie wird als Saat eingesät. Im Glauben wird die fremde Gerechtigkeit zur eigenen, ohne aber über sie zu verfügen. Geerntet aber wird die Frucht der Liebe. Gott schenke uns eine reiche Ernte solcher Liebe.

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner