Geistliches Wort für Dezember 2018 / Januar 2019


Markus BuettnerSuche Frieden und jage ihm nach.
Psalm 34,15

Suchen gehört wohl kaum zu dem Zeitvertreib, dem man sich gerne stellt. Denn wer auf der Suche ist, hat etwas oder jemanden verloren. Suchen ist mühsam, oftmals auch nervig, wenn man das Verlorene nicht gleich wieder findet. Angst kann die Folge sein. Denn im Kopfkino entsteht schon ein ganzer Kinostreifen, was die Folgen des Verlusts sein werden. Neben der Angst tritt die Ungeduld und mit ihr kommt die Hektik. Von Frieden keine Spur. Auch der Friede kann verloren gehen. Erleben wir es nicht in der großen weiten Welt mit Krieg und Terror? Ist nicht aber auch die eigene Welt bedroht durch Streit in der Familie, gefährdet durch Unfrieden mit Arbeitskollegen, Schulfreunden, Bekannten?

Die Jahreslosung 2019 führt uns in den 34. Psalm, der überschrieben ist mit dem Titel, Unter Gottes Schutz. Auch wenn es in der deutschen Übersetzung nicht erkennbar ist, ist dieser Psalm nach dem hebräischen Alphabet gedichtet. Das ganze Leben von A-T (Z) steht unter Gottes Schutz für den, der an ihn glaubt. Nun weiß auch David als erster Beter dieses Psalms, dass dieses Leben nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern auch Rückschläge und Herausforderungen bereithält. Auch Schuld und Sünde hinterlassen ihre Spuren im Leben. Und doch weiß David sich unter Gottes Schutz gestellt und ist dankbar für die Rettung, die er immer wieder im Leben erfahren hat. Manch einer wird beim Nachsprechen und Beten dieses Psalms Parallelen zu seinem Leben entdecken. Das Gebet Davids wird zum eigenen Gespräch mit Gott. Zu diesem Gebet gehört dann auch, das zu reflektieren, gelten zu lassen, zu leben, was der Psalm lehrt: Die Gottesfurcht. Wer Gott fürchtet, erkennt und anerkennt: Gott ist Gott! Der eine oder andere erinnert sich an den Einstieg der Erklärungen zu den 10 Geboten von Martin Luther: Wir sollen Gott fürchten und lieben…. Fürchten hat eben nichts mit Angst zu tun, sondern mit der Erkenntnis und Anerkenntnis: Ich habe es in meinem Leben mit Gott zu tun. Weil es eben so ist, bleibt zu fragen, wie man sich nun richtig verhält und was angemessen ist, angesichts der Erkenntnis: das eigene Leben steht in der Beziehung zu Gott, wie auch zum Mitmenschen und zu mir selbst. Hierzu hält der Psalm einige Tipps bereit. Neben der Aufforderung seine Zunge im Zaum zu halten, gilt es Böses zu lassen und Gutes zu tun, Frieden zu suchen und ihm nachzujagen.

Der Friede ist bedroht. Er ist gefährdet zwischen Staaten, innerhalb der Gesellschaft, zwischen Menschen. Wer aber tatsächlich Frieden suchen und ihm nachjagen möchte, der muss grundlegend fragen. Es hilft kein oberflächliches Suchen, keine Flickschusterei, keine eindimensionale Betrachtung von Frieden. Wer Frieden nur unter den Menschen meint, hat den Frieden mit Gott und zu sich selbst aus dem Blick verloren. Friede im umfassenden Sinn, vollständiger Friede, kann nur dann werden, wenn die durch die Sünde zerstörte Beziehung zu Gott geheilt wird, die Hand zur Versöhnung dem Nächsten gereicht wird. Wenn an beiden Konfliktschauplätzen – Gott und Nächster – Friede eingekehrt ist, wird auch Friede im eigenen Leben werden.

Zu Weihnachten hat Gott sein großes Friedensprojekt ins Leben gerufen. Als Säugling kommt Gottes Sohn durch die Gottesmutter Maria zur Welt, damit durch ihn Friede werde. Singen werden es die Engel auf den Feldern vor den Toren Bethlehems: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2,14) So führt uns König David mit diesem Psalmgebet zur Krippe, zum Ort der Geburt des Königs aller Könige: Jesus Christus! Der Friede ist nun nicht länger abstrakt, ein Begriff, eine Idee, sondern durch das Kind in der Krippe mit Händen zu greifen. Der Apostel Paulus wird es schreiben: Christus ist unser Friede! (vgl. Epheser 2,14) Wer also Frieden sucht, wird an die Krippe gewiesen und eingeladen mit den Hirten und Weisen niederzufallen und anzubeten. Dieses Kind aus Bethlehem wird heranwachsen, das Reich Gottes predigen, Kranke gesund machen, Wunder vollbringen, sich mit den Eliten anlegen, um dann auf dem Hügel von Golgatha sein Leben am Kreuz zu lassen. Für die einen ist damit das Friedensprojekt Gottes gescheitert. Richtig ist gewiss: Gottes Friedensprojekt ist gestorben. Aber er ist für uns gestorben und hat die Sünden der Welt getragen. Der Zorn Gottes liegt auf ihn, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53,5)

Dort am Kreuz hat Gott durch den Tod seines Sohnes am Kreuz Frieden gemacht mit sich und dem Sünder. Das Sühnezeichen ist das Kreuz. Der Friedefürst stirbt, damit Friede werde. Es ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft. Im Tod wird der Mensch gewordene Friede nicht bleiben, sondern dieser Friedensstifter ist mächtiger als der Tod. Auferstehen wird er vom Tod, leben und regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Somit ist Gottes Friedensprojekt zwar am Kreuz gestorben, aber es ist nicht gescheitert, sondern durch die Auferweckung Jesu Christi zu seinem Ziel gekommen.

Seinen Frieden aber teilt er aus, wo Vergebung empfangen wird, fass- und schmeckbar im Heiligen Abendmahl durch seinen Leib und Blut, gegenwärtig in seinem Wort. Wer mit der Schuld seines Lebens zu diesem Kind in der Krippe kommt und sich von ihm mit seinen Gaben beschenken lässt, wird Frieden mit und bei Gott finden. Aus diesem Frieden erwächst der Friede zum Nächsten. Die Hand zur Versöhnung wird ausgestreckt. Friede kann werden. Aus Feinden werden Freunde, aus Kontrahenten Kollegen, aus Hetze Liebe, aus Ausgrenzung Gemeinschaft im Zeichen des Friedefürsten - Jesus Christus! Und dann kann auch Friede im eigenen Leben werden.

Wer Friede sucht, findet ihn beim Friedefürsten Jesus Christus. Wer dem Frieden nachjagt, folgt Christus in seinem Leben nach. Jesus teilt seinen Frieden aus denen, die sich an seiner Krippe versammeln, sich unter sein Kreuz stellen und am Ostermorgen die Auferstehung feiern. Wer den Fußspuren Jesu folgt, wird selbst zu einem, der den empfangenen Frieden austeilt. Der Herr selbst sagt ihnen zu: Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9) So wünsche ich uns allen eine besinnliche Advents- und eine gesegnete Weihnachtzeit sowie ein friedvolles neues Jahr 2019!

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner